Alternative Besteuerung von P2P Krediten

Vor einiger Zeit hat Bloginhaber und Buchautor Luis Pazos schon einmal einen Artikel zu meinem Blog beigesteuert. Er ist aber nicht nur fĂŒr die Plattform Estateguru absoluter Experte, sondern kennt sich auch im Steuerrecht aus. Hier hat er gerade bei der Besteuerung von P2P Krediten eine ganz eigene und interessante Ansicht, ĂŒber die du auf jeden Fall mal nachdenken solltest. Viel Spaß beim Lesen!

Haftungsausschluss

Die nachfolgenden AusfĂŒhrungen geben die persönliche Ansicht des Autors zum Thema wider. Sie stellen keine steuerliche Beratung dar. FĂŒr rechtssichere Informationen und individuelle AuskĂŒnfte ist der Gang zum Steuerberater unerlĂ€sslich.

Besteuerung von P2P Krediten – Wo das Internet tatsĂ€chlich Neuland ist

Der konventionelle Ansatz
In einem Land, in dem der Steuerspartrieb ausgeprĂ€gter als der Fortpflanzungstrieb ist, ist es kein Wunder, wenn auch beim Thema P2P buchstĂ€blich jede zweite Frage fiskalische Belange berĂŒhrt.

Die hierzu kursierenden Anleitungen in Schriftform wie auch als bewegtes Bild vermitteln dabei weitgehend deckungsgleiche Inhalte: EinkĂŒnfte aus P2P-Krediten sind als ZinsertrĂ€ge im Jahr der Einnahme zu versteuern. Zu diesem Zweck stellen auch die meisten Plattformen eine Zinsbescheinigung aus. Die Summe der bescheinigten Zinsen je Kalenderjahr und Plattform hat der Anleger in der Anlage KAP zur EinkommensteuererklĂ€rung einzutragen. Versteuert wird dieser Betrag dann in aller Regel pauschal mit der Abgeltungssteuer zuzĂŒglich SolidaritĂ€tszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer.

Mit diesem Vorgehen machen P2P-Investoren sicherlich nichts verkehrt – schließlich zahlen sie so zu frĂŒh und indirekt auch zu viel Geld. Und daran hat sich der Fiskus seit jeher bekanntlich nicht gestört. Dieses Ergebnis ist jedenfalls dann vertretbar, wenn die deutsche Steuergesetzgebung nebst Rechtsprechung auf die technische Umsetzung von P2P-KreditmarktplĂ€tzen projiziert wird.

Besteuerung von P2P Krediten
zu viel Geld schadet nie

Zufluss und wirtschaftliche VerfĂŒgungsmacht

Das deutsche Einkommenssteuergesetz (EStG) kennt sieben Einkunftsarten. Eine davon sind EinkĂŒnfte aus Kapitalvermögen (§ 2 Abs. 5 EStG). Was alles zu dieser Einkunftsart gehört wird im schwer verdaulichen § 20 EStG akribisch ausgefĂŒhrt. Nach Abs. 7 fallen hierunter „ErtrĂ€ge aus sonstigen Kapitalforderungen jeder Art“, was auf Zinsen aus P2P-Krediten letztendlich immer zutrifft, sofern nicht bereits Abs. 5 „Zinsen aus Hypotheken“ greift. Damit ist die Besteuerung von P2P Krediten hinsichtlich Art und Höhe der ErtrĂ€ge klar bestimmt. Das gilt jedoch keineswegs fĂŒr die zeitliche Zuordnung und damit FĂ€lligkeit der Steuer.

Ein bedeutsamer Grundsatz im deutschen Einkommenssteuerrecht ist das sogenannte Zuflussprinzip (§ 11 Abs. 1 EStG). Es besagt, dass Einnahmen steuerlich dem Kalenderjahr zuzuordnen sind, in dem sie dem Steuerpflichtigen zugeflossen sind. Als zugeflossen gilt eine Einnahme, wenn der Steuerpflichtige die wirtschaftliche VerfĂŒgungsmacht hierĂŒber erlangt hat. Genau an dieser Nahtstelle zwischen Einkommenssteuerrecht und Finanztechnologie ist das Internet, in Anlehnung an ein bekanntes Zitat Angela Merkels, tatsĂ€chlich Neuland. Die spannenden Fragen lauten: Wann werden Gewinne aus P2P-Krediten zu Einnahmen? Und wann erlangt der Anleger ĂŒber diese die wirtschaftliche VerfĂŒgungsmacht?

Hierzu existieren eine Vielzahl von Kommentaren, Urteilen und Beispielen. In durchweg jedem Fall kommt es fĂŒr den entsprechenden Zeitpunkt nicht auf die rechtliche FĂ€lligkeit, sondern den tatsĂ€chlichen Zugriff auf eine (Geld-)Leistung an. Bei Bargeld ist dies ab dem Zeitpunkt der Übergabe, bei Überweisungen mit dem Zahlungseingang der Fall. Gleiches gilt fĂŒr Dividenden-, Zins- und sonstige Kapitalertragsgutschriften.

Gemein ist allen Sachverhalten die Tatsache, dass es sich um Einnahmen handelt, die zumindest theoretisch fĂŒr weitere RechtsgeschĂ€fte (KaufvertrĂ€ge, KreditvertrĂ€ge, MietvertrĂ€ge etc.) eingesetzt werden könnten, also um sogenanntes Nettogeldvermögen. In diesem Sinne bezeichnen Einnahmen den Zugang von Zahlungsmitteln. Dies können auch Forderungen sein, die eine sogenannte „Leistung an ErfĂŒllungs statt“ ermöglichen. Hierzu zĂ€hlen beispielsweise Guthaben auf dem Girokonto (Buch- oder Giralgeld), die zwar kein gesetzliches Zahlungsmittel sind aber im GeschĂ€ftsverkehr an Stelle von Bargeld allgemein akzeptiert werden. Als liquiditĂ€tsnahes Buchgeld gehören auch Gutschriften auf Spar-, Termin- oder sonstige Geldkonten zum Nettogeldvermögen.

Letztendlich orientiert sich die Jurisprudenz hier an den sogenannten Geldmengenaggregaten, wie sie beispielsweise die EuropÀische Zentralbank (M0, M1, M2) definiert. UnabhÀngig vom Grad der LiquiditÀt ist diese ferner immer Folge einer Buchung auf einem individuellen Konto, ohne dass ein wirtschaftlicher Zugriff freilich auch nicht konstruiert werden kann.

Zwischenfazit zur Besteuerung von P2P Krediten:
Der Zufluss steuerpflichtiger Einnahmen ist an drei Voraussetzungen geknĂŒpft. Erstens einen tatsĂ€chlichen Zugriff, zweitens das Vorhandensein von Nettogeldvermögen und drittens die VerknĂŒpfung beider GrĂ¶ĂŸen mit einem (Buch-)Geldkonto.

Die Architektur von P2P Krediten

Wechseln wir nunmehr die Perspektive und betrachten die finanzielle Architektur einer typischen P2P-Plattform. Dabei kommt es ĂŒbrigens nicht darauf an, ob der Plattformbetreiber selbst Kredite vergibt oder diejenigen angegliederter Darlehensanbahner vermittelt.

Architektur von P2P Krediten

Im Rahmen der Anmeldung mĂŒssen sich potenzielle Anleger mit ihren persönlichen Daten registrieren sowie ihre IdentitĂ€t nachweisen. Anschließend erfolgt die Zuweisung eines Accounts mit personenbezogener Nummer durch den Plattformbetreiber. Nach Freischaltung können Anleger unter Angabe ihrer Accountnummer (im Feld „Verwendungszweck“ des ÜberweisungstrĂ€gers) Überweisungen auf das Bankkonto des Betreibers vornehmen. Die erste Überweisung dient dabei in aller Regel auch als Referenzkonto fĂŒr ein- und ausgehende Zahlungen. GeldeingĂ€nge werden entsprechend den Vorgaben des Anlegers direkt oder indirekt in verfĂŒgbare Kredite (mit-)investiert.

Gleiches gilt umgekehrt auch fĂŒr Zins und Tilgung: Diese gehen auf das Konto des Betreibers ein und werden anteilig dem Account des Anlegers zugeordnet. Möchte dieser Geld von der Plattform abziehen, muss er die Auszahlung beim Plattformbetreiber beantragen. Diese erfolgt dann vom Bankkonto des Betreibers auf das Referenzkonto des Anlegers.

Fintech trifft deutsches Steuerrecht

Wie ist diese Finanzarchitektur im Hinblick auf die drei Kriterien zu beurteilen, die den Zufluss steuerpflichtiger Einnahmen definieren? Zum einen ist bereits der tatsĂ€chliche Zugriff nicht gegeben. Vom Zeitpunkt der Einzahlung bis zu dem der RĂŒckzahlung ist das Geld dem Zugriff des Anlegers vielmehr sogar entzogen. TatsĂ€chlich hat der Plattformbetreiber die alleinige wirtschaftliche VerfĂŒgungsmacht ĂŒber sĂ€mtliche Mittel – sonst könnte er es ja auch gar nicht kreditieren. Das gilt natĂŒrlich auch fĂŒr Zins und Tilgung, die ebenfalls an ihn und nicht den Anleger fließen.

Zum zweiten erhöhen aus genau diesem Grund die Zinszahlungen des Kreditnehmers auch nicht das Nettogeldvermögen des Anlegers. Er erwirbt weder Bargeld noch Buchgeld sondern lediglich eine Forderung auf Buchgeld gegen den Plattformbetreiber. In keinem Fall kann er den Betrag auf dem Plattformaccount fĂŒr RechtsgeschĂ€fte oder als Zahlungsmittel nutzen. Die mangelnde LiquiditĂ€t ist dabei drittens auf den Umstand zurĂŒckzufĂŒhren, dass es sich beim Account eben nicht um ein Geldkonto handelt. Der Account dient allein der Anteilsberechnung am verwalteten Vermögen der Plattform, es handelt sich hierbei um den Teil einer operativ separaten Datenbank, bestenfalls also ein rein virtuelles Metakonto. Dieses ist qualitativ keineswegs mit dem Buchgeldkonto eines Finanzinstituts vergleichbar. So werden Zinsen immer nur „gezeigt“, aber eben nicht gezahlt.

Solange das einmal eingezahlte Geld beim Plattformbetreiber verbleibt, dĂŒrfte es sich demnach bei Zinsen auf P2P-Kredite nicht um steuerpflichtiges Einkommen handeln. Die Steuerpflicht wird vielmehr erst dann ausgelöst, wenn ein beantragter Auszahlungsbetrag auf dem Referenzkonto des Anlegers eingegangen ist.

Ein stichhaltiges Gegenargument

Nun könnte jedoch ein stichhaltiger Einwand gegen obige Darlegung ins Feld gefĂŒhrt werden. TatsĂ€chlich gehört es seit 1968 zur stĂ€ndigen Rechtsprechung, sprich der gelebten Praxis des Bundesgerichtshofs (BGH) die wirtschaftliche VerfĂŒgungsmacht nicht nur an den tatsĂ€chlichen „Erfolg“ (sprich die empfangene Zahlung), sondern auch an die Möglichkeit, „den Leistungserfolg herbeizufĂŒhren“ anzuknĂŒpfen.

So hat die höchste zivilrechtliche Instanz beispielsweise verfĂŒgt, dass bereits der Empfang eines Schecks den Zufluss des entsprechenden Geldbetrags auslöst und nicht erst dessen Einlösung („Scheckurteil“). Gleiches gilt fĂŒr bestimmte ZahlungsansprĂŒche – beispielsweise stehen gelassene oder reinvestierte Zinsen sowie temporĂ€r zurĂŒckbehaltene Provisionen –, wenn hierin „nicht nur das buchmĂ€ĂŸige Festhalten einer Schuldverpflichtung zu sehen ist, sondern darĂŒber hinaus zum Ausdruck gebracht wird, dass der Betrag dem Berechtigten von nun an zur Verwendung zur VerfĂŒgung steht.“ Voraussetzung hierfĂŒr ist eine entsprechende Vereinbarung zwischen beiden Parteien. Der GlĂ€ubiger muss ferner zumindest theoretisch in der Lage (gewesen) sein, die Zahlung „ohne weiteres Zutun des im Übrigen leistungsbereiten und leistungsfĂ€higen Schuldners herbeizufĂŒhren.“

Über diesen Umweg könnten die „gezeigten“ Zinsen aus P2P-Krediten auf den ersten Blick tatsĂ€chlich eine Steuerpflicht auslösen. Nun hat aber der BFH in einem weiteren Grundsatzurteil zum „buchmĂ€ĂŸigen Festhalten einer Schuldverpflichtung“ bestimmt, dass der Schuldner in derartigen FĂ€llen „den fĂŒr die Zahlung vorgesehenen Betrag von seinem Vermögen so separiert, dass der GlĂ€ubiger den Betrag ohne weiteres abholen, abrufen oder verrechnen kann. Eine derartige Separation wird regelmĂ€ĂŸig dadurch vollzogen, dass der Schuldner den Betrag auf einem fĂŒr den GlĂ€ubiger gesondert gefĂŒhrten Konto gutschreibt (GeschĂ€ftsfreundekonto, Verrechnungskonto, Kontokorrentkonto usw.).“

Diese Forderungen spiegeln sich nun aber definitiv nicht in der digitalen RealitĂ€t wider: Die Finanzarchitektur von P2P-Plattformen sieht gerade keine Separation vor. Ganz im Gegenteil laufen sĂ€mtliche ZahlungseingĂ€nge und ZahlungsausgĂ€nge ausschließlich ĂŒber das GeschĂ€ftskonto des Plattformbetreibers. Nur der fortschreitenden Digitalisierung ist es zu verdanken, dass diese massenhaft ĂŒber eine parallel gefĂŒhrte Datenbank und nicht ĂŒber gesondert gefĂŒhrte Konten administriert und zugeordnet werden können. Sie allein ermöglicht das GeschĂ€ftsmodell der P2P-Plattformen, dem ein „buchmĂ€ĂŸiges Festhalten“ gemĂ€ĂŸ BFH-Urteil die Grundlage entziehen wĂŒrde.

Der Anleger befindet sich hier also im Gegensatz zu konventionellen (Bank-)Kontensystemen ganz klar außerhalb des Zahlungs- und Verrechnungssystems. Aus dem Grund kann er Zahlungen auch nicht „ohne weiteres abholen“. Vielmehr muss er hierfĂŒr einen Antrag stellen. Erst nach PrĂŒfung durch den Betreiber erfolgt dann und nur bei gegebener Deckung die Freigabe und Auslösung der Zahlung. Auch dies spricht klar gegen eine wirtschaftliche VerfĂŒgungsmacht seitens der Anleger.

BonitÀt und Vermögensmehrung

Diese Auffassung wird zudem durch die AusfĂŒhrungen im bereits erwĂ€hnten „Scheckurteil“ bekrĂ€ftigt. Zur Demonstration des Zuflussprinzips hebt der BFH exemplarisch auf den Unterschied zwischen Scheck und Wechsel ab: „Im Gegensatz zum Scheck, der dem Zahlungsverkehr dient, ist der Wechsel ein Kreditmittel. Der Wechselbetrag ist regelmĂ€ĂŸig nicht auf Sicht, sondern erst zu einem bestimmten, oft mehrere Monate entfernt liegenden Zeitpunkt zu zahlen. Hier ist es gerechtfertigt (auch zur Vermeidung der schwierigen Frage der BonitĂ€t der Wechselbeteiligten […]), frĂŒhestens bei Diskontierung des Wechsels eine VerfĂŒgungsmacht ĂŒber die Wechselsumme und damit einen Zufluss dieser Summe zu bejahen. Diese Schwierigkeiten ergeben sich bei dem regelmĂ€ĂŸig innerhalb kurzer Frist vorzulegenden Scheck […] nicht.“ Neben dem LiquiditĂ€tsgrad betont das Gericht die Bedeutung der BonitĂ€t des Schuldners, auf hiesige Betrachtung ĂŒbertragen des Plattformbetreibers. Gerade die ist aber das Damoklesschwert, welches permanent ĂŒber jeder Investition schwebt und immer wieder Anlass zu Ängsten, Sorgen und Nöten der Anleger fĂŒhrt, wie die Diskussionen in den einschlĂ€gigen Foren nahe legen (Stichwort: Plattformrisiko). Dies gilt insbesondere fĂŒr auslĂ€ndische Betreiber, die zudem noch einer fremden Jurisdiktion unterstehen.

Ein weiteres Urteil jĂŒngeren Datums, diesmal des Finanzgerichts Köln, stĂŒtzt diese Auffassung. Bezeichnenderweise hatten die Richter in diesem Fall ĂŒber den Status von Scheinzinsen zu urteilen. Im Jahr 2002 entschieden sie, dass „keine Vermögensmehrung im Sinne einer objektiven Bereicherung bei dem DarlehensglĂ€ubiger gegeben ist“, wenn keine Gutschrift der Zinsen auf einem Darlehenskonto – ein Darlehenskonto ist ein „debitorisch gefĂŒhrtes Bankkonto“ – erfolgt ist und nicht feststeht, dass der Schuldner zum FĂ€lligkeitszeitpunkt zur Zahlung der Zinsen fĂ€hig und bereit war. Auch dies ist bei P2P-Kreditbeteiligungen aufgrund der oben skizzierten Plattformarchitektur nun regelmĂ€ĂŸig der Fall. Ein schlichter, automatisierter Datenbankeintrag kann kaum eine „Vermögensvermehrung im Sinne einer objektiven Bereicherung darstellen“. Und Darlehenskonten werden in der Regel ebenfalls nicht gefĂŒhrt.

Fazit zur konventionellen Besteuerung von P2P Krediten

Folgt man der hier vertretenen Auffassung, wird ein steuerrechtlich relevanter Vorgang erst dann ausgelöst, wenn eine beantragte Auszahlung auf dem Referenzkonto des Anlegers gutgeschrieben wird. Vorher nicht! Die auf dem Account vermerkten ZinsansprĂŒche stellen hingegen (noch) keine EinkĂŒnfte aus Kapitalvermögen dar.

NatĂŒrlich haftet diesem Fazit eine spekulative Note an. Das kann mangels höchstrichterlicher Urteile, die den hier besprochenen Kontext abdecken auch nicht anders sein. Bis diese vorliegen dĂŒrften freilich noch einige Jahre vergehen. Wie die dann zustĂ€ndigen Richter entscheiden und ob sie sich an den fĂŒr die „analoge“ Finanzwelt erlassenen Leitlinien orientieren, kann einstweilen nur mit einem Fragezeichen versehen werden.

Besteuerung von P2P Krediten
Die Entscheidung wird wohl noch dauern

Bis dato sind P2P-Anleger in Puncto korrekter Besteuerung auf AnalogieschlĂŒsse zu bestehenden Referenzurteilen angewiesen. Zumindest sollten obige AusfĂŒhrungen ausreichen, einen möglichen Vorwurf der Steuerhinterziehung beziehungsweise SteuerverkĂŒrzung wirksam zu entkrĂ€ften. SpĂ€testens wenn das Thema eine kritische Masse umfassen sollte ist zu vermuten, dass die Staatsgewalten den Zufluss per Dekret vorverlegen werden. Dies gilt insbesondere angesichts der spĂ€testens im Zuge der Eurokrise unter die RĂ€der gekommenen Herrschaft des Rechts, welche seither mehr und mehr zum Recht der Herrschaft degeneriert ist.

Der alternative Ansatz zur Besteuerung von P2P Krediten

Zu guter Letzt soll noch erörtert werden, wie EinkĂŒnfte aus P2P-Krediten nach hiesiger Leseart versteuert gehören. Dies erfolgt analog zu Entnahmen aus einer Investment- oder Versicherungspolice. Hierbei werden Auszahlungen mit ihrem Ertragsanteil besteuert, das heißt den auf den Auszahlungsbetrag entfallenden anteiligen Gewinn am zurechenbaren Vermögen. Hierzu ein Beispiel: Ein Anleger zahlt 1.000 Euro in eine Police ein. Die Rendite nach 12 Monaten betrĂ€gt acht Prozent, das in der Police gebundene Vermögen demnach 1.080 Euro. Der Ertragsanteil belĂ€uft sich gerundet auf 7,4 Prozent (80 Euro Rendite geteilt durch 1.080 Euro Vermögen). Von den 1.080 Euro lĂ€sst sich der Investor umgehend 100 Euro auszahlen. Der in dieser Summe enthaltene Ertragsanteil belĂ€uft sich entsprechend auf 7,4 Prozent von 100, also 7,40 Euro. Diese mĂŒsste der Investor als EinkĂŒnfte aus Kapitalvermögen deklarieren.

Wie berechnet sich der Ertragsanteil bei einer Anlage in P2P-Krediten? Ist das angesichts zahlreicherer und unterschiedlich hoher Ein- und Auszahlungen nicht ziemlich kompliziert? Keineswegs, wie folgendes Beispiel belegt: Angenommen, ein Anleger ist im Januar 2017 zunĂ€chst mit 200 Euro Ersteinlage bei einer auslĂ€ndischen P2P-Plattform eingestiegen. Von Februar bis November 2017 stockt er die Summe monatlich um 100 Euro auf, im Dezember ĂŒberweist er einmalig 800 Euro. Zudem sind dem Nutzerkonto im Laufe des Jahres 90 Euro Zinsen gutgeschrieben worden. Anfang 2018 erhöht er seine Investition um weitere 1.000 Euro. Bis Mitte 2018 fließen ihm Zinsen in Höhe von 190 Euro zu. Stand des Nutzerkontos am 30.06.2018 vor Auszahlung:

  • Summe Einzahlungen: 3.000 Euro
  • Summe Zinsen: 280 Euro
  • Summe Kapital: 3.280 Euro

Zu diesem Zeitpunkt beschließt der Anleger, sich insgesamt 1.000 Euro auszahlen zu lassen, um das Geld anderweitig zu investieren. Dies zieht folgende Berechnung nach sich:

  • Höhe der Auszahlung: 1.000 Euro
  • Zinsanteil: 280 Euro / 3.280 Euro = 8,54 Prozent
  • Ertragsanteil: 1.000 Euro * 8,54 Prozent = 85,40 Euro
  • KapitalrĂŒckzahlung: 1.000 Euro – 85,40 Euro = 914,60 Euro

Die ausgezahlten 1.000 Euro setzen sich demnach aus 914,60 Euro RĂŒckzahlung des eingebrachten Kapitals und aus 85,40 Euro ZinsertrĂ€gen zusammen. Die 85,40 Euro sind dann 2019 als EinkĂŒnfte aus Kapitalvermögen des Jahres 2018 zu deklarieren. Stand des Nutzerkontos am 30.06.2018 nach Auszahlung:

  • Summe Einzahlungen: 3.000 Euro – 914,60 Euro = 2.085,40 Euro
  • Summe Zinsen: 280 Euro – 85,40 Euro = 194,60 Euro
  • Summe Kapital: 3.280 Euro – 1.000 Euro = 2.280 Euro

Den Rest des Jahres lĂ€sst der Anleger seine Investition unangetastet. Ende 2018 stockt er diese nochmal um 500 Euro auf, zwischenzeitig konnte er weitere 140 Euro an Zinsen verbuchen. Bis Ende 2019 erfolgen keinerlei weitere Ein- und Auszahlungen, an Zinsen fließen dem Anleger 350 Euro zu. Stand des Nutzerkontos am 30.12.2019 vor Auszahlung:

  • Summe Einzahlungen: 2.585,40 Euro
  • Summe Zinsen: 684,60 Euro
  • Summe Kapital: 3.270,00 Euro

Am Jahresende entschließt sich der Anleger, 2.000 Euro abzuziehen. Diesmal sieht die Berechnung wie folgt aus:

  • Höhe der Auszahlung: 2.000 Euro
  • Zinsanteil: 684,60 Euro / 3.270,00 Euro = 20,94 Prozent
  • Ertragsanteil: 2.000 Euro * 20,94 Prozent = 418,80 Euro
  • KapitalrĂŒckzahlung: 2.000 Euro – 418,80 Euro = 1.581,20 Euro

Die ausgezahlten 2.000 Euro setzen sich diesmal aus einer KapitalrĂŒckzahlung in Höhe von 1.581,20 Euro sowie 418,80 Euro ZinsertrĂ€gen zusammen. Letztere sind 2020 als EinkĂŒnfte aus Kapitalvermögen des Jahres 2019 zu deklarieren. Stand des Nutzerkontos am 30.12.2019 nach Auszahlung:

  • Summe Einzahlungen: 2.585,40 Euro – 1.581,20 Euro = 1004,20 Euro
  • Summe Zinsen: 684,60 Euro – 418,80 Euro = 265,80 Euro
  • Summe Kapital: 3.270,00 Euro – 2.000 Euro = 1.270,00 Euro

Löst der Anleger nun am 01.01.2020 sein Nutzerkonto auf, erhĂ€lt er sein gesamtes Kapital in Höhe von 1.270,00 Euro gut geschrieben. Dieses setzt sich aus 1.004,20 Euro KapitalrĂŒckzahlung und 265,80 Euro Zinsen zusammen. Die Zinsen muss er dann im Jahr 2021 als EinkĂŒnfte aus Kapitalvermögen deklarieren. Somit sind dann sĂ€mtliche ZinsertrĂ€ge (die FrĂŒchte) erfasst und versteuert worden, wĂ€hrend die Einlage (der Stamm) ungeschmĂ€lert zurĂŒckgeflossen ist. Nachweisen lassen sich die Zahlen in aller Regel ĂŒbrigens relativ einfach ĂŒber den jeweiligen Kontoauszug.

Wer ist am Ende eigentlich der Sieger?

Jetzt noch eine spannende Frage: Wer profitiert von der alternativen im Gegensatz zur konventionelle Besteuerung? Die verblĂŒffende Antwort: Sowohl der Anleger als auch das Finanzamt! Dieses Paradoxon lĂ€sst sich ebenfalls am besten anhand eines Beispiels demonstrieren. Hierzu betrachten wir zwei Anleger. Beide investieren einmalig 1.000 Euro auf der beliebten P2P Plattform Mintos. Sie erwirtschaften dort durchgehend eine Rendite von 12 Prozent pro Jahr, dank der RĂŒckkaufgarantie fĂ€llt auch kein Darlehen aus. SĂ€mtliche ErtrĂ€ge werden wieder angelegt. Der einzige Unterschied: Anleger A versteuert seine ErtrĂ€ge nach konventioneller Art, Anleger B nach dem alternativen Ansatz. Das heißt A zahlt auf die jĂ€hrlich „gezeigten“ ZinsansprĂŒche vor Wiederanlage 26,375 Prozent Abgeltungssteuer inklusive SolidaritĂ€tszuschlag, Anleger B zahlt diese erst am Ende der 10 Jahre, nachdem er sich sein gesamtes Guthaben auf sein Referenzkonto hat ĂŒberweisen lassen.

Besteuerung von P2P Krediten
Das Beispiel in Fakten

Gut neun Prozent mehr fĂŒr den Anleger und 14 Prozent mehr fĂŒr das Finanzamt – wie kommt dieses der Intuition widersprechende Ergebnis zustande? Ganz einfach: Der Ertrag von Anleger B wird nicht um 26,375 Prozent pro Jahr geschmĂ€lert. Das heißt dieser, Anleger A nicht zur VerfĂŒgung stehende Betrag wird reinvestiert und erwirtschaftet selbst wiederum ErtrĂ€ge, die A nicht erzielen kann. Allein die endfĂ€lligen Steuern auf diese ZusatzertrĂ€ge ĂŒberkompensieren den Betrag, den A ĂŒber die Zeit an das Finanzamt zahlt. Das Steuerparadoxon macht dabei auch die langfristig drastischen OpportunitĂ€tskosten selbst moderater SteuersĂ€tze deutlich. Was das fĂŒr die private wie unternehmerische Kapitalbildung innerhalb einer Volkswirtschaft bedeutet mag sich ein jeder selbst ausrechnen.

Eine korrekte Rechnung darf natĂŒrlich nicht außer Acht lassen, dass im Fall B der Fiskus theoretisch entgangene Zinsen (oder realistischer: Zinsen fĂŒr eine erforderliche BrĂŒckenfinanzierung) geltend machen könnte. Schließlich macht es einen Unterschied, ob 455,79 Euro ĂŒber 10 Jahre verteilt oder 526,46 Euro auf einen Schlag am Ende dieser Periode zufließen. Diese Zinskosten laufen aktuell aber gen null; die Rendite 10-jĂ€hriger Bundesanleihen liegt im Juli 2017 bei etwa einem halben Prozent per annum. Erst bei einem Kalkulationszinssatz von mehr als 3,9 Prozent pro Jahr und ansonsten gleichen Rahmenbedingungen stĂŒnde sich der GlĂ€ubiger bei der konventionellen Besteuerung besser.

Genau diese Rahmenbedingungen dĂŒrften sich allerdings im Fall eines so deutlichen Zinsanstiegs aller Wahrscheinlichkeit nach auch auf P2P-Kredite auswirken und die entsprechenden Renditeforderungen nach oben treiben. Schließlich spiegelt dieser Anstieg ja nichts anderes als Entwertungsrisiken wider, sei es durch Zahlungsausfall oder Inflation.

Der Artikel auf dem PrĂŒfstand von SteuernMitKopf

Wie denkst du ĂŒber diese alternative Art der Besteuerung? Welche Variante ist die richtige?

Beitragsbild: pixabay.com @ Webandi (Creative Commons CCO)

Von mir getestete P2P Plattformen

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27 Comments

  1. Hallo Lars,
    das ist mal wieder ein super Artikel! Ich wĂŒrde natĂŒrlich auch die von dir gezeigt Alternative vorziehen, da sie fĂŒr Anleger einen enormen Vorteil bietet und auch einfacher ist.

    FĂŒr mich sind Gewinne, die bei einer Plattform liegen vergleichbar mit Kursgewinnen bei Aktien: sie sind eben noch nicht in trockenen TĂŒchern und können jederzeit wieder verloren gehen. Bei Kursgewinnen aus Aktien könnte man ja sonst auch argumentieren, dass der Anleger diese jederzeit zu Buchgewinnen machen kann und daher schon vorab Steuern verlangen. Aber das wĂ€re absurd.

    In sofern hoffe ich darauf, dass es bald eine Rechtsprechung zu Gunsten der Anleger gibt (und du zeigst ja, dass das letztendlich auch gut fĂŒr das Finanzamt wĂ€re, solange am Ende ein Gewinn steht).

    Meine letzte SteuererklĂ€rung habe ich aber noch nach der fĂŒr mich ungĂŒnstigen Methode gemacht.

    Beste GrĂŒĂŸe
    Tobias

    Juli 22, 2017
    Reply
    • Fredo said:

      Aktien sind Sachwerte, und ihr Kurs nur eine Indikation, was zuletzt dafĂŒr bezahlt wurde. Erst, wenn du sie wieder zu Geld gemacht hast, kannst du deinen realisierten Kursgewinn beziffern.
      Was ist, wenn sich gar kein KĂ€ufer fĂŒr deine Aktien findet? Dann nĂŒtzt dir der Buchgewinn nichts, und du musst ihn natĂŒrlich auch nicht versteuern.

      Juli 22, 2017
      Reply
    • Luis said:

      Auf eine „Rechtsprechung zu Gunsten der Anleger“ wĂŒrde ich nicht unbedingt hoffen – vermutlich wird es darauf ankommen, was fĂŒr ein Senat sich letztinstanzlich der Sache annehmen wird. Aber Staatsdiener sind nun mal keine BĂŒrgerdiener – siehe die Urteile zur sogenannten Eurorettung (einem BĂŒrger wĂŒrde in analogen FĂ€llen Gestaltungsmißbrauch unterstellt werden). Von daher könnte es sogar besser sein, wenn lange Zeit kein Urteil erfolgt und die Anleger einfach Tatsachen schaffen.

      Juli 22, 2017
      Reply
  2. Fredo said:

    Ich habe keinerlei Zweifel, dass die zu Beginn beschriebene „konventionelle“ Besteuerung die richtige ist.
    Die VerfĂŒgungsmacht liegt bei mir, sobald die Zinsen geflossen sind.
    In meinen Augen ist es völlig unerheblich, dass man als Anleger kein eigenes Bankkonto hat. Bei einem Bausparvertrag oder bei Genossenschaftsanteilen habe ich schließlich auch keines, sondern das Geld liegt (wie bei den p2p-Anbietern) auf dem Konto des Anbieters und wird nur in seinen BĂŒchern bzw. in seiner Datenbank mir zugeordnet. Trotzdem werden ja auch die Bauspar-Guthabenzinsen sofort mit der Abgeltungssteuer belastet.

    Juli 22, 2017
    Reply
    • Luis said:

      Der Vergleich mit Genossenschaftsanteilen und Bausparkassen hinkt. Kaufe ich beispielsweise Genossenschaftsanteile an meiner örtlichen Volksbank (je nach Bank ĂŒbrigens auch ein „Hochdividendenwert“), gelten GewinnausschĂŒttungen erst dann als zugeflossen, wenn sie auf meinem Konto verbucht wurden – hier kann ich sogar gar nicht thesaurieren. Bei Bausparkassen wiederum handelt es sich gemĂ€ĂŸ Bausparkassengesetz um Kreditinstitute, d. h. dorthin ĂŒberwiesene Einlagen und daraus resultierende Zinszahlungen haben „BankqualitĂ€t“, analog zu einem Banksparplan mit Wiederanlage. Hier ist der Sparer EigentĂŒmer des Kontos, bei dem zusĂ€tzlich die Einlagensicherung greift, womit eine Auszahlung als sicher eingestuft werden kann. Davon kann bei P2P-Plattformen grundsĂ€tzlich keine Rede sein, insbesondere bei auslĂ€ndischen Anbietern. Ausnahme: Die Architektur weicht durch Bankpartner vom oben dargestellten Modell ab. Dies könnte z. B. bei Auxmoney/Crosslend der Fall sein, dazu kenne ich die Anbieter aber nicht gut genug.

      Juli 22, 2017
      Reply
      • Fredo said:

        Also meine Genossenschaftsanteile werden bei der Genossenschaft verzinst und dort direkt versteuert. Also sind sie mir wohl zugeflossen, obwohl ich hier ja kein eigenes Bankkonto habe. Wenn genug Netto-ErtrĂ€ge angesammelt sind, dann bekomme ich von dem Betrag neue Genossenschaftsanteile. Das hat fĂŒr mich thesaurierenden Charakter.

        @ Luis, willst du sagen, dass auf der p2p-Plattform verbleibende Zinsen nicht versteuert werden mĂŒssen, weil diese Plattformen im Ausland sind und/oder weil eine Auszahlung als „nicht sicher“ eingestuft wird, weil keine Einlagensicherung greift und die Einlage keine BankqualitĂ€t hat?

        Juli 27, 2017
        Reply
        • Luis said:

          BezĂŒglich der Genossenschaftsanteile kommt es entscheidend auf das Gesamtkonstrukt und die Vertragsbedingungen an. Wenn Du Dir beispielsweise aussuchen kannst, wie die AusschĂŒttungen (in der Regel sind es keine Zinsen) verwendet werden (Auszahlung versus Thesaurierung), dann liegt in der Tat ein Zufluss vor, da es allein vor Dir abhĂ€ngt, ob Du einen Zugriff auf die Mittel erhĂ€ltst oder nicht – diesbezĂŒglich existiert ein Grundsatzurteil, welches sich auf eine GmbH bezieht.

          Zu den P2P-Plattformen: Das trifft den Kern der Sache. Wenn man sich die AusfĂŒhrungen und Urteile zu Zuflussprinzip durchliest kommt es letztendlich auf das Gesamtbild an, d. h. wo bewegen wir uns mit einer Anlage bezĂŒglich a) Grad der LiquiditĂ€t und b) Sicherheit des RĂŒckflusses. Hierbei haben wir es also mit einer relativen und keiner absoluten Begrifflichkeit zu tun. Die Frage ist (siehe oben): Wann liegt objektiv eine Berreicherung vor? Zumindest bei auslĂ€ndischen, als Vermittler auftretenden Plattformen ohne Banklizenz ist meines Erachtens der Abstraktionsgrad so weit fortgeschritten, dass von einer „objektiven Bereicherung“ im Fall der virtuellen Gutschrift anteiliger ErtrĂ€ge (operativ ist ja nur die Plattform, nicht der Anleger, in den Zahlungsverkehr involviert) nicht die Rede sein kann, siehe hierzu auch meine Antwort auf Johnnys Kommentar. Zudem steht es in den Sternen, ob wir es mit einem „leistungsbereiten und leistungsfĂ€higen Schuldner“ zu tun haben (was die Voraussetzung fĂŒr eine objektive Bereicherung wĂ€re). Beispiel Mintos: Die Plattform vermittelt seit MĂ€rz 2017 immer ĂŒber 20 Millionen € Kreditvolumen pro Monat. GemĂ€ĂŸ GeschĂ€ftsbericht betrug die Bilanzsumme zum 31.12.2016 aber nur eine gute halbe Millionen Euro, an liquiden Mitteln standen gerade mal etwas ĂŒber 211.000 Euro zur VerfĂŒgung. Auch das Jahresergebnis war negativ (wie schon das Jahr zuvor). Mintos kann also die AuszahlungswĂŒnsche der Kunden dann und nur dann befriedigen, wenn auch die Darlehensanbahner pĂŒnktlich zahlen! Eine prinzipielle LeistungsfĂ€higkeit zu unterstellen halte ich daher fĂŒr Ă€ußerst gewagt, den Leistungserfolg kann der Anleger gar nicht verlĂ€ĂŸlich herbeifĂŒhren. Der fehlende Einlagenschutz – im Fall der FĂ€lle sind nur 100.000 Euro, allerdings von der Firma Mintos und nicht jedes einzelnen Anlegers – ist letztendlich nur das I-TĂŒpfelchen.

          Juli 28, 2017
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    • nova said:

      Fredo -da stimme ich dir zu -wahrscheinlich wird es die „konventionelle“ Besteuerung auch auf p2p angewendet–was lars als alternative zeigt wĂ€re mir viel lieber-zb erst nach 10 jahren -erst wenn das buchgeld aufs konto ĂŒberwiesen wird die steuer fĂ€llig etc

      Juli 22, 2017
      Reply
  3. Johnny said:

    Der große Vorteil dieser Methode ist wohl, dass der Anleger seine Verluste gegenrechnen kann. Dabei entsteht dem Finanzamt aber sehr wohl ein Nachteil. Deshalb glaube ich ist es eher unwahrscheinlich, dass die Methode durchgeht. Ich hoffe es trotzdem.

    Juli 24, 2017
    Reply
    • Luis said:

      Die Behandlung ausgefallener Kredite mĂŒsste hier in der Tat noch integriert werden. Allerdings leitet der Kommentar zu einer in diesem Zusammenhang interessante Frage ĂŒber: Angenommen, ein Anleger investiert eine bestimmte Summe ĂŒber eine baltische Plattform in P2P-Kredite. Die „gezeigten“ (siehe oben) Zinsen reinvestiert er immer wieder via Autoinvestor. Nach drei Jahren wird die Plattform insolvent. Da – trotz gegenteiliger Behauptung – keine Abwicklungsorganisation beauftragt wird und der Insolvenzverwalter mangels Masse den GeschĂ€ftsbetrieb einfach einstellt (ein Interesse die ganz ĂŒberwiegend auslĂ€ndischen Kunden zu befriedigen besteht nicht), wird die gesamte Summe uneinbringlich. Muss der Anleger die „gezeigten“ Zinsen dann trotzdem versteuern? Folge ich dem Urteil des Finanzgerichts Köln aus 2002 hĂ€tten wir hier einen analogen Fall vorliegen. Die Antwort wĂ€re somit: Nein. Dann mĂŒssten aber logischerweise auch die anderen AusfĂŒhrungen gelten.

      Juli 27, 2017
      Reply
  4. Hi Lars,
    Spannneder Artikel, gleichzeitig aber eine durchaus riskante Rechtsansicht. Richtig ist, dass die Finanz wohl noch eine Weile brauchen, wird, bis sie die Versteuerung von p2p Krediten richtig einschÀtzt und dies durch die Instanzen durchgefochten ist.
    Einen Gedanken möchte ich in der allgemeinen Euphorie zu bedenken geben. Du weist richtig darauf hin, dass es sich nicht um Buchgeld auf dem Konto der p2p Plattform handelt, sondern nur um eine Forderung gegen die Plattform. Ein Sparguthaben auf einem Bankkonto – hier ist die Steuerpflicht mit der Gutschrift der Zinsen meines Wissens geklĂ€rt – ist auch eine Forderung gegen die Bank. Ich habe die BefĂŒrchtung, dass sich die Finanz dieser Argumentation anschließen könnte, um die sofortige Steuerzahlung und nicht erst die gestundete (höhere) Steuerzahlung in einigen Jahren einzusacken…nur so ein Gedanke 😉
    Schau Dir doch auch mal folgenden Artikel zu diesem Thema an: https://meinefinanziellefreiheit.com/2017/07/20/p2p-steuer/
    Viele GrĂŒĂŸe
    FF

    Juli 28, 2017
    Reply
    • Luis said:

      Hallo,
      danke fĂŒr den Hinweis. Er belegt, dass ich das Thema Geld, Buchgeld und Geldforderung nicht hinreichend genau prĂ€zisiert habe. Richtig ist, dass es sich beim virtuellen P2P-Account um eine Forderung gegen die Plattform handelt, also weder Buchgeld noch Bargeld. Es stimmt auch, dass ein Bankguthaben eine Forderung gegen die Bank ist, allerdings eine auf Bargeld! Und das ist der entscheidende Unterschied: Im Fall der Bank bewegen wir uns innerhalb des Kreditwesengesetzes. Guthaben zĂ€hlen zur monetĂ€ren Basis, es handelt sich also um liquide Mittel, die auch noch bis zu einer bestimmten Höhe garantiert werden. Das alles haben wir bei den P2P-Plattformen (ohne Bankstruktur) gerade nicht. Wir haben hier eine Forderung auf Buchgeld gĂ€nzlich außerhalb der SpĂ€hre liquider Zahlungsmittel – genau das ist aber der qualitative Unterschied. Hinzu kommt der Umstand (siehe meine AusfĂŒhrungen weiter oben zu Mintos), dass die Plattform gewissermaßen schwebend insolvent ist, die Forderung auf besagtes Buchgeld also nicht per se gewĂ€hrleistet ist (im Gegensatz zum Bankensystem).
      Beste GrĂŒĂŸe
      Luis

      Juli 30, 2017
      Reply
      • Ralf said:

        Wieso ist die Plattform „schwebend insolvent“? Das wĂŒrde ja bedeuten, dass es sich um ein Schneeballsystem handelt. Die schwebende Insolvenz trifft doch eher auf normale Banken zu, da diese durch Geldschöpfung aus Krediten niemals in der Lage sind, alle Einlagen auszuzahlen. Soweit mir bekannt, können die Banken nur etwa 5% der Forderungen gleichzeitig auszahlen.

        November 19, 2017
        Reply
        • Luis said:

          Hallo Ralf,
          gar nicht so einfach, nach fast vier Monaten den Faden wieder aufzunehmen 😉 Also, technisch betrachtet ist jeder Verwalter von Zahlungsversprechen „schwebend insolvent“. Das liegt daran, dass er nun mal Fristen transformiert, wie es so schön heißt. Ob das Versprechen erfĂŒllt werden kann, hĂ€ngt letztendlich von der FĂ€higkeit des Verwalters ab, Zahlungsmittel zum FĂ€lligkeitstermin zu akquirieren.
          Das trifft auf P2P-Plattformen genauso zu wie auf Banken (und ja: je nach Vertragskonstruktion kann eine P2P-Plattform das Solvenzrisiko allerdings auch verlagern). ABER: Banken genießen einen systemischen Schutz (Regulierung, Einlagensicherung, Mindestreserve, Überwachung, Garantien), weshalb der Zahlungsverkehr juristisch als „sicher“ gilt. Folglich gelten Buchgelder mit Gutschrift auf einem Bankkonto als eingegangen und sind gegebenenfalls zu versteuern. Und genau diese QualitĂ€t können virtuelle P2P-Guthaben nicht beanspruchen.
          Beste GrĂŒĂŸe
          Luis

          PS: Alle konventionellen Geldsystem sind Schneeballsysteme, wenngleich auf niedrigem Niveau. Das liegt schlicht daran, dass in jeder Volkswirtschaft bzw. WĂ€hrungsraum stets zu wenig Geld im Umlauf ist, um alle Forderungen zu bedienen.

          November 23, 2017
          Reply
  5. Ralf said:

    Interessanter Gedanke, aber wohl so nicht realisierbar.
    Die gleiche Situation trifft ja auch auf die Besteuerung von Dividenden von Aktien zu. Die Dividenden werden ja auch nicht aufs Girokonto gebucht, sondern bleiben bei der depotfĂŒhrenden Bank/Broker. Erst auf Anforderung werden die Dividenden auf ein Girokonto zur freien Verwendung ausgezahlt.

    November 19, 2017
    Reply
  6. Denny said:

    Spannender Ansatz. Laut meinem Steuerberater liegt die VerfĂŒgungsmacht darĂŒber, wann ich mir die Zinsen auszahlen lasse, aber bei mir. Insofern ist es unabhĂ€ngig davon, wann ich mir die Zinsen auszahlen lasse (RĂŒckflussprinzip).

    MĂ€rz 7, 2018
    Reply
    • Luis said:

      Die VerfĂŒgungsmacht, da hat der Steuerberater Recht, ist ein ganz wesentliches Kriterium. Das ist zum Beispiel bei Zinsgutschriften auf einem Sparbuch zweifellos gegeben, denn hier habe ich einen unbedingtes Durchgriffsrecht, d. h. ich kann der Erfolg mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit herbeifĂŒhren (siehe „Scheckurteil“ weiter oben). Betrachtet man aber das Gesamtbild des GlĂ€ubiger-Schuldner-VerhĂ€ltnisses im Fall eines deutschen Anlegers und einer auslĂ€ndischen Plattform sieht die Sache ganz anders aus. Hier habe ich alleine schon deshalb keine VerfĂŒgungsmacht, da auf das Bankkonto, ĂŒber das sĂ€mtliche Transaktionen abgewickelt werden, einzig und allein dem Plattformbetreiber zugreifen kann. Mein „Account“ ist rein virtuell (die Applikation berechnet welcher Anteil an der LiquiditĂ€t, die die Plattform hĂ€lt, dem Anleger zuzurechen ist) und eben kein Konto. Daher kann ich nicht ĂŒber die LiquiditĂ€t verfĂŒgen. Im Gegenteil: Ich muss erst einen Antrag auf Auszahlung stellen, dieser wird vom Plattformbetreiber bearbeitet, dann erfolgt eine Überweisung. Letzteres natĂŒrlich nur, wenn besagtes Konto des Plattformbetreibers ĂŒber ausreichend LiquiditĂ€t verfĂŒgt. Bei einer baltischen OÜ mit 2.500 Euro Mindeststammkapital kann meines Erachtens keine Rede davon sein, „dass der Schuldner zum FĂ€lligkeitszeitpunkt zur Zahlung der Zinsen fĂ€hig und bereit war“. Genau das ist aber der Rechtsprechung folgend die Voraussetzung, um von „VerfĂŒgungsmacht“ zu sprechen. Frag doch mal die Anleger, die letzte Woche eine Auszahlung bei Collateral UK beantragt haben …

      MĂ€rz 7, 2018
      Reply
      • NOVA said:

        Es wĂ€re sinnvoll, zb Mintos und Bondora anzuschreiben und ein steuergĂŒnstiges Portfolio-Packet zu entwickeln! Als zusĂ€tzliche Option fĂŒr die deutschen Anleger

        MĂ€rz 16, 2018
        Reply
        • Lars said:

          Hi,

          hast du hier eine konkrete Idee, wie sowas aussehen könnte oder was du dir genau vorstellst?

          Viele GrĂŒĂŸe

          Lars

          MĂ€rz 19, 2018
          Reply
          • Nova said:

            Ja habe ich (zu deiner Frage)
            Ich habe auch mit dem Support mit Bondora und Mintos gechatet
            Ich habe denen mitgeteilt,das die deutschen Anleger(deren Haupt-Investoren) Steuerlich im grossen Nachteil sind.
            Ich habe denen Vorgeschlagen (bei Bondora)die Zinsen zu reinvestieren (ohne das der Investor zugriff drauf hat)
            Der Zugriff der Zinsen ist der Hauptknackpunkt,der FinanzÀmter.
            Bondora will jetzt ein SteuegĂŒnstiges Bond-Produkt entwickeln.
            Zu Mintos hab ich denen noch nicht vorgeschlagen.
            Ich kenne mich nicht gut in Steuersachen aus,aberd as Thema ist wichtig wer langfristig mit P2P anlegen will-Hier eine Verlinkung,wie die Abgeltungsteuer Vermögen stark negativ beeinflusst(zinseszins)
            https://www.finanzwesir.com/blog/abgeltungssteuer-kapitalertragssteuer

            April 3, 2018
          • Lars said:

            Danke dir, genau das umgehst du aber auch, wenn die alternative Besteuerung von deinem Finanzamt akzeptiert wird. Denn dann zahlst du nur Steuern auf das, was du dir (irgendwann) auszahlen lĂ€sst. Klar können also alle Anbieter Produkte striken (von Bondora weiß ich es mittlerweile auch), aber einfacher wĂ€re es, es von deiner Seite aus steuern zu können. Dann können dir die Produkte egal sein. Probierst du die alternative Versteuerung aus? Es gibt einige, die das dieses Jahr so umsetzen werden. Wenn das durchgeht, gibt es meines Erachtens keinen Grund mehr, es nicht zu tun.

            April 5, 2018
  7. Cashisking said:

    Moin,
    ich versuche deine alternative Besteuerungsmethode gerade nachzuvollziehen.
    Gehen wir mal davon aus ich habe am 01.01 ein Startkapital von 1000€ bei Mintos.
    Im Juni schieße ich 500€ nach.
    Im September lasse ich mir 100€ auszahlen.
    Am 31.12 BetrĂ€gt mein Endkapital 1600€
    So habe ich einen Zinssatz von 12,5% erwirtschaftet. ((Endkapital-(Startkapital+Einzahlung-Auszahlung))/Endkapital)
    Also muss ich von den ausgezahlten 100€ nun 12,50€ als EinkĂŒnfte aus Kapitalanlagen angeben?

    Ist das so korrekt oder habe ich einen Denkfehler/Rechenfehler?

    Danke fĂŒr deinen tollen Beitrag

    MĂ€rz 17, 2018
    Reply
  8. Denis said:

    Ich habe erst dieses Jahr mit der P2P-Anlage begonnen und kann dementsprechend nicht mit eigener Erfahrung aufwarten, deshalb meine Frage:

    Da es jetzt ja Mitte des Jahres ist und vielleicht der ein oder andere die alternative Besteuerung schon bei seinem Finanzamt versucht hat, was sind eure Erfahrungen?

    Da ich Freiberufler bin möchte ich eigentlich ungern Probleme bekommen, wenn ich Steuern hinterziehe 😛 Deshalb wĂŒrde mich brennend interessieren, wie das Finanzamt das bewertet.

    Mai 29, 2018
    Reply
    • Lars said:

      Hallo Denis,

      in unserer Community gibt es einen interessanten Thread dazu. Schau doch mal dort rein oder frage einmal nach. Da wirst du mehr Antworten bekommen als nur von mir 🙂

      Viele GrĂŒĂŸe

      Lars

      Mai 30, 2018
      Reply
  9. Max Head said:

    Rechtlich gesehen ist der Kontostand auch nur ein Auszahlungsanspruch gegen die Bank.
    Wenn man Lars‘ AusfĂŒhrungen fĂŒr zutreffend erachten wĂŒrde, kĂ€me man mit diesem Blick zu einem interessanten Ergebnis. 😉
    Was sagst du dazu, Lars?

    Juni 19, 2018
    Reply
    • Lars said:

      Hi Max,

      das ist ein Gastartikel von Luis Pazos, nicht von mir 🙂 Ich vermute mal, bei der Bank wird es anders sein, da es du dort ein eigenes debitorisch gefĂŒhrtes Konto hast und du jederzeit selbst ĂŒber das Geld verfĂŒgen kannst. Vielleicht kann Luis selbst was dazu sagen.

      Viele GrĂŒĂŸe

      Lars

      Viele GrĂŒĂŸe

      Lars

      Juni 19, 2018
      Reply

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