Wieviel du in P2P investieren solltest

Portfolio Aufbau mit P2P-Privatkrediten. Nicht nur in unserer Community, sondern auch im Forum von Claus Lehmann wird fleißig die Frage diskutiert: wie viel soll ich eigentlich in P2P anlegen? Ich werde in diesem Artikel mal versuchen, dir meine Sicht auf die Dinge zu geben und dir auch meinen gesamtem Portfolio Aufbau zeigen, um dir deine Entscheidung etwas zu erleichtern oder damit du einen Vergleichswert zu deinem Portfolio hast.

Warum nicht einfach „volles Rohr“?

Die einfachste Variante und sicher die beste, wenn sie einfach so funktionieren würde. Das gesamte Kapital in P2P-Kredite anlegen und mit 15 – 20% Rendite nach Hause gehen. Das wäre doch was, oder? Auch wenn ich bekanntermaßen ein Fan des P2P-Investments bin, würde ich dir niemals jemandem empfehlen, deine ganze Kohle hier zu investieren, denn auch wenn ich Vertrauen in diese noch recht neue Anlageklasse habe, bin ich ja nicht wahnsinnig, wobei ich Menschen kenne, die dir vom Gegenteil berichten würden 🙂 Vor allem wenn man sieht, was derzeit bei Lending Club, der (noch) größten P2P-Plattform der Welt los ist, sollte man seinen Portfolio Aufbau mal genau auf den Prüfstein stellen. Das Thema ist also aktueller denn je.

Abgesehen davon, hadere ich immer noch mit mir, ob einige Plattformen wirklich dafür ausgelegt sind, um dort sehr viel Geld zu parken. Gerade bei neueren Plattformen wie z.B. CrossLend ist die Kreditdecke doch teilweise noch arg dünn, wie ich diese Woche beim investieren feststellen musste. Die Anlageklasse „Privatkredite“ sollte also vielmehr dazu genutzt werden, das Gesamtportfolio sinnvoll und effektiv zu erweitern, aber nicht dazu, um dein gesamtes Vermögen darauf aufzubauen. Durch die geringe Korrelation zum Aktienmarkt eignet sich P2P perfekt für eine Erweiterung.

P2P ist doch keine Anlageklasse!

Diese Aussage bekam ich vor kurzem von einem Nicht-P2Pler zu hören und musste darauf leider antworten: „ohhh, doch!“. Was genau ist eigentlich eine Anlageklasse? Eine Anlageklasse ist eine Art Investment-Kategorie. Beispielsweise Aktien, Staatsanleihen, Immobilien und Rohstoffe. Also ein abgekapseltes Anlagesegment, welches nicht in allen Punkten mit einem anderen vergleichbar ist. Auch die Anlageklassen selbst kann man wieder in weitere Klassen unterteilen. Beispielsweise US-Aktien und Emerging Markets. Die Privatkredite sind ebenso ein abgekapseltes Anlagesegment und man kann sie daher sehr wohl als eigene Anlageklasse sehen.

P2P passt auch nicht in irgendeine andere Anlageklasse und wird daher oft als „alternatives Investment“ bezeichnet, was aber einen etwas faden Beigeschmack gibt, den P2P eigentlich gar nicht verdient hat. Viele andere alternative Investments sind oft mit einem sehr hohen Risiko (z.B. Optionshandel), hohem Eintrittskapital (z.B. Private Equity) und starken Schwankungen versehen, was bei Privatkrediten normalerweise aber gar nicht der Fall ist, sofern man es richtig angeht. Aber wir kommen vom Thema ab. Halten wir an dieser Stelle einfach fest. Privatkredite sind eine eigene Anlageklasse.

Wie sieht der optimale Portfolio Aufbau aus?

Ich kann hier natürlich nur aus meinen eigenen Erfahrungen und Einschätzungen berichten, denn ich habe mir das Investment in P2P-Privatkredite selbst beigebracht und somit experimentiere ich ebenso noch mit der Aufteilung. Ich fühle mich jedoch derzeit mit meinem Portfolio Aufbau sehr wohl und das ist ungemein wichtig. Hier mal ein Blick auf meine Vermögensverteilung:

Portfolio Aufbau

Mit derzeit 21% ist mein Anteil an Privatkrediten relativ hoch, wobei er schon wieder ein kleines bisschen gesunken ist, da ich vor kurzem fleißig ETFs gekauft habe. Die Privatkredite sind derzeit aufgeteilt unter den Anbietern Auxmoney, Bondora, Twino, Mintos und ganz neu CrossLend. Bondora nimmt sogar mit mehr als 50% noch den derzeit größten Anteil ein (anfangs habe ich die Plattformdiversifikation noch nicht so ernst genommen) und Twino den kleinsten, da ich außer der Testsumme noch nicht weiter investiert habe.

Wie sehen andere das Ganze?

Wie oben schon angedeutet, gibt es in unserer Community und auch im Forum von Claus Lehmann eine Diskussion darüber und die Meinungen schwanken stark. Im Folgenden siehst du die Aufschlüsselung einer Abstimmung der Forenmitglieder bei Claus und wie ihr Portfolio Aufbau aussieht:

Portfolioaufbau
Quelle: http://www.p2p-kredite.com

Der größte Anteil bei Claus Umfrage siedelt sich also irgendwo zwischen 5 und 25 Prozent an, wobei sich die Investoren dort auch in der Regel sehr gut mit P2P-Krediten auskennen. Natürlich wissen wir hier auch nicht, in welchen Lebensverhältnissen die ganzen Investoren stehen. Ein junger gutverdienender Single wird wohl in der Regel mehr in Privatkredite investieren und seinen Portfolio Aufbau anders strukturieren, als der Vater oder die Mutter von 2 – 4 Kindern. Denn auch wenn du das Risiko begrenzen kannst, so ist es doch vorhanden.

Neben dem Risiko des allgemeinen Kreditausfalls gibt es noch viele weitere Risiken bei P2P-Krediten. Beispielsweise die Pleite einer Plattform, hohe Arbeitslosigkeit in einer Wirtschaftskrise oder die Einschränkung des P2P-Marktes durch den Staat (nicht wahrscheinlich, aber immerhin möglich). Halten wir einfach fest, wir wissen schlicht und ergreifend nicht, was uns da in Zukunft erwartet und sollten daher unseren Portfolio Aufbau daran ausrichten. Gerade Dinge wie die aktuelle Situation bei Lending Club zeigt uns, wie zerbrechlich alles sein kann, wenn nur an ein paar falschen Schrauben gedreht wird.

Fazit

Du siehst also, es gibt kein Pauschalkonstrukt, wie dein Portfolio Aufbau auszusehen hat. Gemessen an vielen anderen Meinungen ist mein aktueller P2P-Wert im Portfolio schon sehr sehr hoch (vielleicht zu hoch?) und ich habe auch einen recht großen Klumpen bei Bondora liegen im Gegensatz zum Rest. Hier gilt es also auch für mich in Zukunft noch etwas nachzubessern und die Privatkredite zu meinem Vorteil zu nutzen und keinen Nachteil daraus zu generieren. Denn ein Mangel an Diversifikation (auch was die Plattform angeht) kann schwere Folgen haben.

Auf der anderen Seite kann ein hoher Wert im Portfolio Aufbau dafür sorgen, Verluste in den anderen Anlageklassen auszugleichen, so wie es bei mir auch im letzten Jahr der Fall war. Teilweise hatte ich dort nicht so ein glückliches Händchen, durch mein Investment an den P2P-Plattformen, konnte ich das Jahr aber dennoch positiv abschließen.

Ich glaube an eine interessante und ertragreiche Zukunft der P2P-Anlageklasse. Das Wichtigste in meinen Augen ist aber wie immer: verstehe das Investment, bevor du auch nur einen Cent in eine Anlageklasse investierst. Das gibt dir die Sicherheit, dein persönliches Risiko am besten einzuschätzen.

Wie sieht dein Portfolio Aufbau aus? Investierst du prozentual mehr oder weniger in P2P als ich. Schreib es in die Kommentare oder teile sie in unserer Community.

Von mir getestete P2P Plattformen:

14 Comments

  1. Tobias said:

    Moin zusammen,

    Danke für den Einblick in die Verteilung deiner Investments, lieber Lars.
    Ich bin noch sehr frisch dabei (7 Monate) und lege seit Anbeginn knapp die Hälfte meiner Sparrate jeweils in ETFs und P2P an. Das macht derzeit natürlich viel Spaß bei den Renditen, aber mein Gesamtportfolio wird Mitte des Jahres noch um Dividendenaktien ergänzt werden. Damit sinkt der Anteil dann auf ein Drittel, womit ich mich sehr wohl fühle. Ähnlich wie Lars sehe ich keinerlei Veranlassung zur Sorge, aber Diversifizierung Is King 🙂

    Gruss von der Küste
    Tobias

    Juni 11, 2016
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    • Lars said:

      Moin Tobias,

      1/3 in P2P ist schon ordentlich. Aber solange du dich sicher fühlst, why not 😉

      Viele Grüße

      Lars

      Juni 11, 2016
      Reply
  2. Hoss Peter said:

    Wieviel in Prozent ist für mich nicht so wichtig. Es darf einfach mein Leben nicht verändern, wenn ich das Geld verliere.

    Juni 11, 2016
    Reply
    • Lars said:

      Hallo Peter,

      und eben dafür ist es wichtig. Wenn du 100% in P2P anlegst, kann ein herber Verlust schon wehtun. Wenn du aber nett über viele Anlageklassen streust, die wenig miteinander korrelieren, bist du sicherer aufgestellt.

      Viele Grüße

      Lars

      Juni 11, 2016
      Reply
  3. Hallo Lars,
    das ist ein echt spannendes Thema. Ich sehe es ähnlich wie Du: Kein Grund zur Sorge aber eine gute Plattform-Diversifikation ist das A und O.

    Aktuell habe ich etwa 7% meines risikobehafteten Vermögens in P2P-Kredite investiert und dabei im Verhältnis 60/40 zwischen Bondora und Mintos aufgeteilt. Sobald ich eine 50/50-Gewichtung hergestellt habe, werde ich mir eine weitere Plattform (wahrscheinlich Twino) zur Brust nehmen.

    Allerdings muss man dazu noch sagen, dass ich auch in ganz altmodische analoge „P2P-Kredite“ investiert habe, so dass der aktuelle Anteil bei insgesamt 31% liegt. Allerdings schätze ich das Risiko bei Krediten im Familien- und Freundeskreis anders ein, als das Risiko auf den Online-Plattformen.

    Ich möchte den Anteil von P2P-Krediten (online) in meinem Portfolio definitiv noch ausbauen. Im Gegenzug werden die analogen P2P-Kredite aber nach und nach abgebaut/umgeschichtet.

    Wo genau meine „Schmerzgrenze“ liegt, kann ich daher noch nicht sagen. 100% wären für mich definitiv unvorstellbar und in keinem Fall sinnvoll. Aber 15-20% könnte ich mir schon vorstellen.

    Viele Grüße
    der Finanzfisch

    Juni 12, 2016
    Reply
    • Lars said:

      Moin Finanzfisch,

      deine Aufteilung hört sich durchdacht an und es freut mich, dass dir die Privatkredite so viel Spaß machen, dass du dein Portfolio ausbauen willst. 15-20% hört sich nach einem netten Ziel an und mit Twino hast du dir auch eine gute Plattform zum Ausbau deines Portfolios ausgesucht. Viel Erfolg dabei 🙂

      Viele Grüße

      Lars

      Juni 12, 2016
      Reply
    • Nova said:

      Man kann sein ganzes geld investieren ohne angst zuhaben es zu verlieren.entscheident die p2p plattform hat ins sein faq ein insolvenzschutz massnahme eingebaut.unddie diversifikation invielet guter kredite ist ebenfalls wichtig.p2p solte auch von der FCA ausgezeichnet sein.Aktien und co sind derzeit viel risikohafter.

      Oktober 22, 2016
      Reply
      • Lars said:

        Hi Nova,

        davon würde ich dir dringend abraten 😉 Schön über mehrere Klassen diversifizieren. P2P ist ein Hochrisiko-Investment und wird es auch erstmal bleiben.

        Viele Grüße

        Lars

        Oktober 23, 2016
        Reply
  4. Marcel said:

    Hi Lars. Vielen Dank für deinen Blog und deine Darstellung.
    Ich beschäftige mich auch (leider) erst seit 3 Monaten mit meinem Vermögensaufbau, den dafür umso effektiver. Und es bringt ungemein Spaß.
    P2P lass ich als neue Anlageklasse erstmal bissl nebenbei laufen. Nach dem Motto: Was ich wegpacken kann und auf dem Tagesgeldkonto zu wenig bringt kommt aufs P2P-Konto. Derzeit mit je 500€ auf Twino, Mintos, Bondora, Auxmoney und Viventor diversifiziert. (ca 20% bisher)
    Mein Hauptaugenmerk liegt zur Zeit noch auf meinem Aktiendepot, wo ich ausreichend in Dividenden-ETFs aus allerlei Länder verteile. (40%) die restlichen 60% wandern noch in mein Tagesgeldkonto, da wir zur Zeit einige große Käufe planen, bei denen wir schnell mehr Geld brauchen. wird ab mitte/ende des Jahres aber weniger Tagesgeld, mehr andere Anlagen ^^

    Januar 7, 2017
    Reply
    • Marcel said:

      Haha. vertippt. meinte natürlich die restlichen 40% wandern in Tagesgeld 🙂

      Januar 7, 2017
      Reply
    • Lars said:

      Hi Marcel,

      danke für deinen Kommentar. Ich habe ja auch leider erst sehr spät angefangen. Aber lieber spät als nie. Deine Strategie hört sich gut an. Viel Erfolg dabei.

      Viele Grüße

      Lars

      Januar 7, 2017
      Reply
  5. Marcel said:

    Danke dir. Ich weiß das hat hier mit P2P wenig zu tun, Vllt habt ihr trotzdem nennen Anreiz. Mit Aktienkurs streuen ich schon ganz gut. Würde gerne Gold oder Rohstoff-anlagen mit einbauen. Am liebsten in ETF Form. Hat jemand gute Ideen, die man sich mal anschauen könnte ?

    Januar 7, 2017
    Reply
    • Lars said:

      Ich kaufe beispielsweise den ARERO (DWS0R4), einen All-in-One ETF mit 15% Rohstoffanteil. Als reinen Rohstoff-ETF nutze ich den dbxtr DBLCI-OY Bal UETF 1C (DBX1LC). Vielleicht sind die auch was für dich.

      Januar 7, 2017
      Reply
  6. Marcel said:

    Blöde Tastatur. Sollte heißen „meine Aktien streue…“

    Januar 7, 2017
    Reply

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