Was passiert mit deinem P2P-Portfolio in der Finanzkrise?

P2P-Kredite in der Finanzkrise. Zwei Wörter, bei denen sich P2P-Investoren irgendwann die Frage stellen, was passiert, wenn sie zusammentreffen. In diesem Artikel möchte ich daher einmal mit dir zusammen herausfinden, ob P2P-Kredite in der Finanzkrise standhalten können oder ob man sich besser ein anderes Investment suchen sollte.

Haben wir überhaupt Daten dazu?

Leider so gut wie gar nicht. Die letzte Finanzkrise war zwischen den Jahren 2007 und 2009 und das Zinsniveau dort war so hoch, dass ein P2P-Investment für viele Privatanleger noch kaum in Frage kam. Auch ich war zu diesem Zeitpunkt mit meinem Geld noch auf der Jagd nach dem besten Tagesgeldkonto. Mein ganz großer Fang mit 6,5% Zinsen war damals die Kaupthing-Bank in Island (japp, mich hat es damals voll erwischt), aber das ist ein anderes Thema. Wusstest du übrigens, dass die Nichtzahlung von riskanten Krediten eine maßgebliche Ursache der Finanzkrise waren?

Naja, Vergangenheit. Weiter im Text: um Daten für P2P-Kredite in der Finanzkrise zu bekommen, schauen wir also, wie so oft in die USA um einen Vergleich und eine Aussage über die Zukunft treffen zu können. Prosper und Lending Club waren zu dieser Zeit schon am Markt und haben scheinbar die Krise überstanden. Da beide heute noch existieren und nach wie vor erfolgreich sind. Aber die große Frage ist: wie haben sie exakt in dieser kritischen Zeit zwischen den Jahren 2007 und 2009 performed?

ᐅ Bleib auf dem Laufenden
Kennst du schon meine Facebookseite? Wenn nicht, abonniere sie hier und ich informiere dich regelmäßig über interessante Neuigkeiten!

Die Folgen der Finanzkrise auf Kreditzahlungen

Als die Finanzkrise ihr volles Ausmaß erreicht hat, sah es folgendermaßen in den USA aus:

  1. Ungefähr 15 Millionen Amerikaner verloren ihre Jobs und die Arbeitslosigkeit stieg auf mehr als 10%.
  2. Das Nettovermögen der Haushalte in den USA fiel um ganze 22%, was zusammengefasst heißt, dass ein durchschnittlicher Amerikaner ein Fünftel von dem verlor, was er besaß.
  3. Renten- und Vorsorgefonds an der Börse verloren 57% ihres Wertes innerhalb von nur 6 Monaten.

Durch diesen beispiellosen Absturz der Wirtschaft begann jeder normale Amerikaner sehr stark damit, mit seinen finanziellen Verpflichtungen zu kämpfen. Mit 15 Millionen Menschen, die in dieser Zeit keine Arbeitsstelle hatten, war auch jede Art von Kreditzahlung davon betroffen. Vom Hauskredit bis zur einfachen Kreditkarte, die die Amerikaner so sehr lieben.

Wir können also festhalten: die größte Gefahr für Kreditzahlungen war in der Finanzkrise die Arbeitslosigkeit, da diese unmittelbaren Einfluss auf die Rückzahlungen von Verbraucherkrediten hatte. Das US Bureau of Labor Statistics stellt folgende Grafik zur Verfügung, die die Arbeitslosigkeit ins Verhältnis zur Kreditrendite der Banken setzt.

P2P-Kredite in der Finanzkrise

Sehr gut zu sehen ist hier, dass mit steigender Arbeitslosigkeit die Kreditrendite der Banken sinkt. Zum Vergleich hierzu die Arbeitslosenzahlen aus Europa, welche sich in einem ähnlichen Rahmen bewegten und somit auch eine ähnliche Auswirkung auf die Kreditrendite der Banken in der Finanzkrise gehabt haben müssen (leider fehlt mir hierzu eine öffentliche Informationsquelle):

P2P-Kredite in der Finanzkrise
Quelle: Statista.de

Wir sehen anhand dieser Grafiken, dass obwohl Aktienindizes in der Finanzkrise um ca. 60% nach unten rauschten, die Banken mit Verbraucherkrediten tatsächlich noch immer Gewinn machten. Man sieht auch hier durch die Arbeitslosigkeit eine Korrektur nach unten. Allerdings steht diese in keinem Verhältnis zur damaligen Korrektur am Aktienmarkt. Eigentlich ein gutes Zeichen für P2P-Kredite in der Finanzkrise oder?

P2P-Kredite in der Finanzkrise: gibt es konkrete Daten zu einer Plattform?

Ja, die gibt es. Der Lending Club war allerdings noch mit geradezu „lächerlichen“ Beträgen im Gegensatz zur Gegenwart unterwegs, wie folgende Grafik zeigt:

P2P-Kredite in der Finanzkrise

Dennoch geben diese Werte einen Richtwert des Ausmaßes der Finanzkrise auf diese P2P-Plattform. Im Folgenden eine Grafik des Lending Club für die Kreditrendite zwischen 2007 und 2009:

P2P in der Finanzkrise

Hierbei ist zu erkennen, dass Investoren, die auf bessere Bonitäten gesetzt haben, sogar komplett ohne Verluste durch die Krise gekommen sind. Aber selbst im Worst-Case wäre man noch recht gut bedient mit seinen P2P-Verlusten im Gegensatz zu den horrenden Verlusten am Aktienmarkt zu dieser Zeit. Ähnlich wie bei den Banken hat die damalige P2P-Industrie die Finanzkrise also recht gut überstanden.

Sehr interessant ist auch, sich die momentane Ausschüttungsquote von risikoreicheren Krediten (also schlechter Bonität) bei z.B. Bondora anzuschauen:

P2P in der Finanzkrise

Scheinbar ist es so, dass sich die Renditereihenfolge einzelner Bonitätsklassen in einer Zeit hoher Arbeitslosigkeit quasi umdreht. In „sicheren“ Zeiten werfen riskante Kredite im Verhältnis zu den vermeintlich sicheren Krediten eine überdurchschnittlich gute Rendite ab. In Krisenzeiten wechselt diese Rendite möglicherweise ins Minus und die besser bewerteten Kredite halten den Absturz aus. Hierdurch erkennen wir auch, warum ein ausgewogenes P2P-Portfolio nicht ganz unwichtig ist und eine automatisierte Streuung über viele Bonitätsklassen (wie Bondora es macht) durchaus Sinn ergibt, um die Vorteile zu maximieren und das Risiko zu senken.

ᐅ Diskutiere mit anderen Investoren
Tritt jetzt der P2P Comunity bei! Diskutiere mit mehr als 1000 anderen Investoren und auch den Plattformen über deine Erfahrungen und profitiere vom Schwarmwissen.

Fazit

Für ein kommendes Aufeinandertreffen der P2P-Kredite in der Finanzkrise können wir also folgende Dinge festhalten:

  1. Sobald die Arbeitslosigkeit steigt, gibt es einen Einbruch bei den Kreditrenditen. Dies wird sowohl klassische Banken, also auch P2P-Kredite betreffen.
  2. P2P-Investoren können eine Krise durchaus mit Gewinn oder zumindest mit wenig Verlust überstehen. Natürlich gibt es hier niemals eine Garantie, aber die Möglichkeit besteht durchaus. Vor allem wenn man nur auf Kredite mit hoher Bonität (oder Sicherungen) setzt, anstatt in Hochrisiko-Kredite zu investieren.

Heutzutage ist der P2P-Markt ungemein größer als zur damaligen Zeit. Bei Twino und Mintos gibt es Sicherungstechniken wie z.B. die Rückkaufgarantie und wir haben derzeit mehr als 70 Plattformen am Markt und jede hat ihre eigene Risikobewertung. Es würde also sicherlich sehr spannend für dein Portfolio werden und die Daten von damals geben keinen sicheren Rückschluss auf eine zukünftige Krise.

Du kannst allerdings einige Dinge tun, damit du die Krise (vielleicht) mit wenig Verlusten überstehst und P2P als Vorteil für dich nutzen kannst:

  1. Halte die Diversifikation hoch und investiere (sofern möglich) über mehrere Bonitätsklassen.
  2. Investiere auf verschiedenen Plattformen, um das Plattformrisiko zu senken.
  3. Nutze ein gut aufgestelltes P2P-Portfolio um Verluste am Aktienmarkt zu begrenzen und abzufangen.

Die spannendste Frage für dich wird aber wie immer sein: wieviel Risiko bzw. zeitweisen Buchverlust kannst du aushalten? Wie du sicherlich weißt, überschätzen wir unsere Fähigkeiten auf diesem Gebiet sehr leicht. Eine gute Probe und ein kleiner Vorgeschmack für alle, die auch am Aktienmarkt investiert sind, war sicherlich der Jahresbeginn, wo viele Indizes bis zu 20% verloren haben. Weißt du noch, wie du dich dort gefühlt hast? Wenn du kein Problem damit hast, dass auch dein P2P-Portfolio stark ins Minus wandert, kannst du natürlich voll auf Hochrisikokredite setzen. Wenn nicht, solltest du dies tunlichst unterlassen. Die Entscheidung liegt bei dir.

Was denkst du? Was wird mit deinem P2P-Portfolio in einer Rezession passieren und wie stellst du dich auf? Eher risikoreich oder risikoarm? Schreib es in die Kommentare.

Von mir getestete P2P Plattformen

4 Comments

  1. Johannes said:

    Das ist wieder ein klasse Artikel geworden!
    Mich würde interessieren, wie stark du deine gesamten P2P Investments in deinem Gesamtportfolio gewichtest (Verhältnis von P2P Krediten und Aktien/ETFs) und wie du diese gegebenfalls in einer Finanzkrise anpasst.
    Ich würde wahrscheinlich bei stark gesunkenen Aktienkursen meinen ETF Anteil erhöhen und den P2P Kreditinvestmentanteil senken (ggf. auch im Zweitmarkt liquidieren und in ETFs umschichten). Was hälst du davon?

    Mai 2, 2016
    Reply
    • Lars said:

      Hi Johannes,

      vielen Dank für das Lob 🙂 Derzeit beträgt die Gewichtung von P2P-Investments in meinem gesamten Portfolio 20% (knapp darunter). Da ich selbst als Investor noch keine Finanzkrise erlebt habe, kann ich es dir natürlich nicht 100%ig sagen. Ich würde aber wahrscheinlich meinen P2P-Anteil nicht liquidieren, sondern laufen lassen und mich eher auf Käufe im Aktienmarkt konzentrieren. Der Anteil der P2P-Kredite sinkt ja dadurch automatisch.

      Viele Grüße

      Lars

      Mai 2, 2016
      Reply
  2. Michael said:

    Hallo
    Es ist ein sehr interessanter Artikel und toll beschrieben, ich hatte mich mal mit dem Devisenmarkt beschäftigt für mich ist es nicht wirklich was obwohl es sehr spannend sein kann,ich bin umgestiegen zum Affiliate Marketing, das liegt mir besser.

    Gruss. Michael

    Mai 10, 2016
    Reply
    • Lars said:

      Hi Michael,

      schön, dass dir der Artikel gefällt. Affiliate Marketing ist allerdings eine ganz andere Form von passivem Einkommen als P2P-Investment.

      Viele Grüße

      Lars

      Mai 10, 2016
      Reply

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*