Wie du weißt, bin ich derzeit nicht in Deutschland, sondern gerade zur Veröffentlichung dieses Artikels in Singapur unterwegs. Ich wollte aber in meiner Abwesenheit meinen Blog dennoch mit interessanten Inhalten für dich füllen und hatte dazu tatkräftige Unterstützung. Daher gibt es unter anderem eine P2P-Investoren Interviewreihe mit verschiedensten Gästen, um dir einen Einblick in die Strategien anderen Privatinvestoren zu geben. Den Anfang macht Fernando mit seinem P2P Erfahrungsbericht. Fernando ist mir in der Community aufgefallen, als er sich vorstellte und in seinem “fortgeschrittenen” Alter vom Auswandern sprach, was bei mir sofort das Interesse weckte. Ich schrieb ihn direkt danach an, um mehr über ihn, seine Pläne und seine P2P und Investor-Erfahrung herauszufinden. Herausgekommen ist ein sehr lesenswertes Interview. Ich wünsche dir viel Spaß dabei:

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Inhalte

Das Interview

1. Hallo Fernando, bitte stelle dich kurz vor. Wer bist du, was tust du?

Ich heiße Fernando de Magallanes und bin 58 Jahre alt. Ich bin Physiker und arbeite im IT Bereich. Ich bin in zweiter Ehe verheiratet und habe 2 eigene und 2 dazu geheiratete Kinder.

P2P Erfahrungsbericht

2. Wie sieht deine Karriere als Privatinvestor bisher aus? Womit und wann hast du begonnen, wo stehst du heute?

Ich habe schon mal in den 1980er Jahren versucht ein kleines Aktiendepot aufzubauen. Das war damals aber ungleich schwieriger als heute. Alles lief nur über eine Bank, und an Information kam man nicht so einfach wie heute. Ich hatte zwar über die Universität schon E-Mail, aber die Leute bei der Bank glaubten damals, man kann damit Kuchen backen. Ich habe mein Depot aber aus den verschiedensten Gründen – heute sage ich leider – aufgelöst und nicht weiterverfolgt.

Wirklich angefangen zu investieren habe ich erst vor vier Jahren, mit einem kleinen Aktien-Depot und seit kurzem investiere ich auch auf P2P Lending Plattformen. Jeder der investiert wird sich fachlich und persönlich weiterbilden wollen. Früher war das im Wesentlichen nur mit Büchern und Fachzeitschriften, die häufig nicht öffentlich zugänglich waren, möglich. Heute stehen mir im Internet riesige Wissens-Bibliotheken zur Verfügung. Hier ist eher die Herausforderung, die relevanten Information aus den gleichartigen Angeboten heraus zu filtern.

Ein weiterer interessanter Punkt ist für mich, dass ich mich sehr einfach mit anderen Investoren weltweit austauschen kann. Diese soziale Komponente der Computertechnik hatte ich bisher vollkommen unterschätzt. Das will ich aber in Zukunft weiter ausbauen.

3. Bevorzugst du mehr Kurz- oder Langzeit-Investitionen?

In meiner Brust schlagen zwei Herzen, mein Verstand sagt mir aber, dass sich Langzeit-Investitionen mehr lohnen. Wie heißt es so schön: hin und her macht die Taschen leer. Aber vielleicht wage ich mich doch später einmal, mit kleinem Einsatz, an Optionen oder ähnliche Papiere.

4. Was bedeutet passives Einkommen für dich?

Damit mein Einkommen passiv wird, muss ich als Investor, wenigstens phasenweise, sehr aktiv sein. Der Begriff “passiv” hat für mich nicht wirklich etwas mit “wenig Aufwand” oder “nicht arbeiten” zu tun. Wenn ich es aber schaffe genügend passives Einkommen zu generieren, werde ich mehr persönliche Freiheit erhalten, und die ist mir sehr wichtig.

5. Was hat dich zum P2P-Investment gebracht?

Nachdem ich im März 2016 bei Youtube das Video von Kolja und dir über P2P-Investment angeschaut hatte, habe ich mich spontan entschlossen, das auch zu versuchen. Nach einiger Recherche habe ich mich dann bei Mintos angemeldet.

6. Auf welchen P2P-Plattformen bist du derzeit aktiv?

Ich bin zur Zeit auf 4 Plattformen angemeldet. Mintos, Bondora, Twino und Viventor.

7. Wenn du an deine bevorzugte bzw. meist genutzte P2P-Plattform denkst, was ist in deinen Augen der Hauptvorteil dieser Plattform?

Da fallen mir im Wesentlichen drei Punkte ein:

  1. Das Modell der Kreditvergabe; der Einstieg in laufende Kredite ist für mich interessanter, da mein Geld sofort investiert wird und ich auch sofort einen Return bekomme.
  2. Die Rückkauf-Garantie für überfällige Kredite ist für mich, gerade am Anfang, sehr entspannend, weil ich noch schlecht abschätzen kann, ob die überfälligen Verträge doch noch erfüllt werden. Der Nachteil der Rückkauf-Garantie ist natürlich, dass ich nicht weiß wie viele Rückkäufe die Plattformen (bzw. die dahinterstehenden Kreditgeber) bedienen können, bevor es finanziell nicht mehr möglich ist.
  3. Die einfache Benutzerführung, d.h. dass ich nicht lange nach den interessanten Zahlen suchen muss.

8. Welche Vorteile hat P2P-Investment deiner Meinung nach gegenüber anderen Investment-Formen?

Ich bin noch zu kurz mit dem Thema beschäftigt, um da eine klare Meinung zu haben. Ich denke aber, dass P2P-Investment genauso viele Risiken und Chancen bietet wie andere Investments auch. 10-14% Rendite bekommt man nicht so einfach geschenkt. Einfach investieren und vergessen ist vermutlich eine schlechte Strategie.

9. Viele Menschen glauben, ein P2P-Investment sei unsicher, da dort nur Menschen investieren, die bei einer Bank keinen Kredit bekommen, wie denkst du darüber und was würdest du einem solchen Menschen sagen?

Ich würde versuchen diesen Menschen zu erklären wie eine Bank funktioniert und dass das Geld, das man auf seinen Konten hält auch nicht so sicher ist, wie die meisten Leute landläufig glauben. Es gibt nun mal keine wirkliche Sicherheit im Leben. Man kann nur versuchen sein Risiko zu minimieren. Dazu gehört zum Beispiel bei P2P-Krediten an erster Stelle die Diversifikation über viele Kredite, die Nutzung mehrerer Plattformen, sowie Buyback-Garantien, wenn man es, so wie ich, etwas konservativer mag.

10. Investierst du automatisiert oder manuell?

Zur Zeit investiere ich nur automatisch.

11. Warum investierst du so, wie du investierst (automatisch oder manuell)?

Die Zeit, die ich durch das automatische Investieren spare, kann ich zum Kennenlernen der einzelnen Plattformen nutzen. Ich bin ja noch in der Lernphase. Außerdem habe ich einige andere und für mich wichtige Dinge zu erledigen.

12. Wie sieht deine P2P-Anlagestrategie aus?

Sobald ich einigermaßen abschätzen kann, dass die P2P-Anlage für mich funktioniert, werde ich die Investments auf den unterschiedlichen Plattformen erhöhen. Ich denke aber, dass ich immer auf mindestens vier Plattformen investiere, um das Risiko einer möglichen Insolvenz zu minimieren.

13. Wie sieht deine persönliche Anlagestrategie über alle Investmentformen hinaus aus?

Meine Strategie heißt möglichst breit streuen und das nicht nur über die Anlageklassen, sondern auch regional. Also Aktien, auch internationale, etwas Buchgeld, etwas physisches Metall, Immobilien außerhalb Europas, und seit neuestem auch P2P-Investment.

Wobei: So wie ich, ein Haus in einem weit entfernten Land zu bauen, ist extrem risikoreich und kann ich nicht ernsthaft als Investition empfehlen. Ohne einen verlässlichen Partner vor Ort ist Erfolg nahezu ausgeschlossen.

14. Was war das bisher beste Investment deines Lebens?

Die Zeit die ich in meine Ausbildung investiert habe und immer noch investiere, sowie die Investition in die Ausbildung meiner Kinder.

15. Wenn du einem neuen und jungen Investor ein Buch empfehlen würdest (unabhängig ob P2P, Aktien oder Weiterentwicklung), welches wäre das?

Zuerst Per Anhalter durch die Galaxis, damit er bis 42 zählen lernt, und dann die Bücher von Robert Kiyosaki. Sie lassen sich sehr flüssig lesen und ich habe dabei jede Menge Denkanstöße bekommen.

16. Ich weiß, du wirst auf die Philippinen auswandern. Was ist das für ein Gefühl und wann geht es los?

Es passt zu mir. Ich habe schon immer gerne die Dinge gemacht, die andere nie oder extrem ungern machen. Da fühle ich mich herausgefordert. Was ich in meiner neuen Heimat aber neben der Sprache unbedingt noch lernen muss ist der entspannte Umgang mit den Unzulänglichkeiten des Lebens. Ich denke, dass das einer der Hauptunterschiede zwischen den Kulturkreisen ist.

Ich halte mich in meiner Gefühlswelt nicht wirklich für typisch deutsch, aber so ein wenig scheint es doch in mir drin zu sein. Die Herausforderung für mich ist dort Fuß zu fassen und in der neuen Umgebung bestehen zu können. Mein Plan ist Ende des Jahres Deutschland zu verlassen.

17. Was sind deine Pläne für die Zukunft (außer Sonne und Strand)?

Sonne und Strand eher selten. Das ist definitiv nicht “Pinoy Style”. Ich will ja meine weiße Haut behalten. Mein Plan ist ein kleines Mietshaus für Studenten bauen zu lassen, mit dem ich hoffentlich regelmäßige Mieteinnahmen generiere. Damit möchte ich vor allem etwas unabhängiger von meinen Einnahmen in Europa werden.

Eine weitere, aber unregelmäßigere, Einnahmequelle könnten noch meine beiden Gästezimmer in meinem Haus werden. Und ich kann mir vorstellen, einen Blog und vielleicht auch Bücher zu schreiben. Und “last but not least” habe ich noch zur Entspannung mein Celestron C8 Teleskop. Ein Großteil des Südhimmels wartet auf mich.

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Fazit von diesem P2P Erfahrungsbericht

Ein großes Danke an Fernando für dieses tolle Interview. Das zeigt mal wieder, dass es niemals zu spät ist, mit dem investieren anzufangen. Auch ich denke heute, dass ich eigentlich viel zu spät angefangen habe, wenn ich teilweise schon so manch 18-jährigen mit einem sehr reifen Mindset kennenlerne. Es wird daher niemals früh genug sein und daher ist es vollkommen egal, wann man anfängt, es ist nur wichtig, dass man anfängt. Alles Gute Fernando. Sobald die Philippinen auf meinem Reiseplan stehen, werde ich mich bei dir melden 😉

Wie hat dir mein erstes Investoren-Interview gefallen? Wenn du bestimmte Fragen hast (auch an Fernando), die ich stellen soll oder wenn du selbst interviewed werden möchtest, schreib mir einfach über das Kontaktformular.

Beitragsbild: pixabay.com @ TheAngryTeddy (Creative Commons CCO)

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7 Kommentare
  1. andi
    andi sagte:

    Ja nur der Zeitpunkt für den Kauf eines Imoobilienanlagegutes scheint mir eher vergleichbar zu sein mit der Zeit vor 2008. Sollt man vielleicht etwas länger warten

    Antworten
    • Lars
      Lars sagte:

      Hi Andi,

      danke für deinen Kommentar. Da ich selbst mit Immobilien nix am Hut habe, kann ich dazu nichts sagen. Ich schätze aber mal, dass Fernandos Kompetenz in diesem Bereich sehr hoch ist, aufgrund seiner “Vor-Ort”-Erfahrung.

      Viele Grüße

      Lars

      Antworten
  2. Tobias
    Tobias sagte:

    Hallo Fernando,
    Hallo Lars,

    ich habe selten so angespannt ein Interview gelesen. Das Glas Wasser in meiner Hand musste warten.

    Es ist sehr interessant zu erfahren wie andere P2P-Investoren ticken. Vielen Dank Dir, Fernando, für den Einblick in Dein Leben und Deine Verhaltensweise. Die “Vorwürfe” an mich selbst mein Depot vor 10 Jahren geschlossen zu haben, mache ich mir heute auch. Aber lieber später auf den Pfad der Tugend zurück, als niemals.

    Mach Dein Projekt mit der Vermietung von Räumlichkeiten unbedingt auf den einschlägigen Plattformen für die digitalen Nomaden bekannt. Ich glaube damit triffst du gewollt oder ungewollt den Nagel der Zeit voll auf den Kopf und kannst einen massiven, passiven Einkommensstrom schaffen. Und mach ne verdammte Blog-Seite dazu, damit ich weiß wo ich hin muss 🙂

    Ich wünsche Dir viel Erfolg für Dein Projekt des Auswanderns…mögen Dir die Sterne wohl gesonnen den richtigen Weg leuchten :p

    Gruß
    Tobias

    Antworten
    • Lars
      Lars sagte:

      Hi Tobias,

      tatsächlich ist das Immobilienthema in den Kreisen der digitalen Nomaden ziemlich interessant. Vielleicht wirklich eine geeignete Variante für Fernando.

      Viele Grüße

      Lars

      Antworten
  3. Fernando de Magallanes
    Fernando de Magallanes sagte:

    Hallo Leute,
    danke für Eure tollen Kommentare. Ich war die letzten Wochen leider mit anderen Dingen beschäftigt und habe sie erst heute gelesen.
    @Andi, für die westlichen Industrienationen magst Du Recht haben. Auf den Philippinen, die ja ein Schwellenland sind, glaube ich, sind noch einige Wertsteigerungen drin. Besonders in Gegenden, die für den Fremdenverkehr interessant sind.
    @Tobias: Das exakt habe ich vor. Du wirst es also erfahren. cu all in Cebu 🙂
    viele Grüße
    Fernando

    Antworten
  4. Andreas
    Andreas sagte:

    Vermutlich entscheidet beim Kauf einer Immobilie sicherlich der STandort. Dennoch vergessen viele die steuerliche Seite. Denn heute werden Gesetze geschaffen die man nicht verachten kann. Sie sind quasi “spekulationsgegner” wenn man so will

    Antworten

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